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"Der Reisch is narrisch wor´n"

 

"Sepp, i muaß dir oane oberhaun , damit du woaßt, wie schön´s war!", soll Franz Reisch zu seinem Freund Josef Herold nach einer seiner ersten gelungenen Skitouren gesagt haben. Reisch hatte das Aufsehen erregende Buch "Auf Schneeschuhen durch Grönland" des norwegischen Polarforschers Fridjof Nansen gelesen. Darin äußerte sich der Autor begeistert über den Skisport. Die Schrift fand weltweit Beachtung - auch in Kitzbühel. Dort dürfte sie der Auslöser für die beispiellose Entwicklung gewesen sein, die aus dem verschlafenen Bergstädtchen ein Mekka des Skisports machte. Denn auch der Wahl-Kitzbüheler Franz Reisch war fasziniert und besorgte sich bald darauf ein paar "Brettl". Seine ersten Versuche mit den norwegischen Schneeschuhen, wie Skier damals genannt wurden, unternahm er um die Jahreswende 1892/1893. Trotz der skeptischen Haltung vieler Kitzbüheler Zeitgenossen - überliefert ist der Ausruf "Schaut´s, iaz is der Reisch ganz narrisch wor´n" - startete er bald zu größeren Touren. Am 15. März 1893 bestieg er das Kitzbüheler Horn. Im ersten Heft der Zeitschrift Der Schneeschuh vom 1. November 1893 schilderte er seine Erlebnisse und lieferte damit den ers ten alpinen Skitext. Erste Fotografien aus der Pionierzeit des Skisports in Kitzbühel lieferte Josef Herold.

 

 


Zusammen mit einer kleinen Schar Gleichgesinnter bestellten sich die Freunde weitere Skier aus Norwegen und veranstalteten schon 1895 ein erstes kleines Skirennen. An den Start gingen Josef Herold, Albert Primus, die Brüder Stanger, Hans Tscholl, der Notar Kathrein und Dr. Johann Taunsteiner. Sieger des Wettkampfs wurde Josef Herold. Seit 1895 dürften jeden Winter Skirennen in Kitzbühel stattgefunden haben. Sie wurden von der Skiriege des heimischen Turnvereins organisiert, der auch Reisch und Herold angehörten. Im Jahr 1900 berichtet Martin Ritzer sen. in der 2. Ausgabe des "Kitzbüheler Bezirks-Boten": "Wie wir hören, sollten die Skiläufer in Kitzbühel ein Wettrennen um die Meisterschaft veranstalten, und zwar sollte dasselbe am 6. Jänner d. J. stattfinden." Ein Jahr darauf, im Jänner 1901, gab es bereits eine Ausschreibung über einen "Schneeschuhwettlauf" mit Start beim Sinnwellkopf.

 

Hand in Hand mit dem Wintersport ging die Entwicklung des Wintertourismus. 1888 wurde in Kitzbühel auf Schloss Lebenberg die erste auch im Winter geöffnete Hotel-Pension eingerichtet. Der Besitzer, Hugo Graf Lamberg, verpachtete einige Appartements an die ersten englischen Wintersportgäste. 1898 erschienen die ersten Skiläufer aus anderen Skiregionen im Ort, darunter der Schriftleiter der Deutsch-Österreichischen Alpenvereinszeitung Heinrich Heß und dessen Freunde Stierböck und Meindl aus Wien. Um 1900 stießen die Mitglieder des Akademischen Skiklubs München dazu. Sie hatten das Skilaufen im Schwarzwald gelernt und entdeckten nun Kitzbühel als neues Skiparadies. 1902 gaben sie das Buch "Skitouren um München" heraus und erwiesen sich darin bereits als ausgezeichnete Kenner der Kitzbüheler Skiregion.